
Touch!
AktuellNowCourtesy Zeller van Almsick
Minda Andréns gezeichnete und gemalte Körper sind unserem kollektiven Bildgedächtnis entnommen: etwa aus einem von der Künstlerin auf einem Flohmarkt in Brasilien erstandenen Massagebuch aus den 1970er Jahren, das, einem hippiesken Freiheitsideal folgend, nicht nur den massierten, sondern auch den massierenden Körper nackt abbildet; aus Internetforen zu (nicht immer) evidenzbasierter „somatischer Therapie“, die Linderung bei chronischem Stress und posttraumatischen Störungen sowie die Regulierung des Nervensystems mit dem Ziel verspricht, Körper und Geist in Einklang zu bringen und funktionstüchtig zu machen; aus Anleitungen zu Körperübungen, die ritualisierte Bewegungsabläufe und Atemtechniken aus außereuropäischen Kontexten, versehen mit Erzählungen über ihre jahrtausendealte Tradition zu einer spirituellen Erfahrung, einer westlichen Erfahrung, machen; aus (pseudo-)medizinischen Diagrammen mit Titeln wie Bodymind, die den menschlichen Körper mithilfe von Begriffspaaren wie „disability and decay“ und „growth and empowerment“ in immer neue Festschreibungen fassen und damit kategoriale Zuspitzungen immer weiter multiplizieren; aus popkulturellen Memorabilia wie der Szene in Juzo Itamis Film Tampopo (1985), die den Mund-zu-Mund-Austausch eines rohen Eidotters als Choreografie von Intimität, Begehren und Grenzüberschreitung zwischen zwei Körpern inszeniert – und aus einem visuellen Amalgam all dessen und mehr.