






Weglassen ist schwieriger als hinzufügen
AktuellNowCourtesy TRONER Galerie
Kaum ein Satz beschreibt die künstlerische Arbeitsweise von Janos Schaab treffender als dieses Zitat. Seine Werke entstehen nicht durch das fortwährende Hinzufügen von Details, sondern durch konsequente Reduktion. In diesem Prozess des Weglassens entwickelt Schaab eine Bildsprache, die den Blick des Betrachters herausfordert und zugleich die Grundlagen unseres Sehens hinterfragt.
Der 1960 in Ungarn geborene Künstler bewegt sich souverän zwischen den Bildwelten der Pop Art, Op Art und Street Art. Dabei übernimmt er deren charakteristische Ausdrucksformen jedoch nicht einfach, sondern transformiert sie zu einer eigenständigen, unverwechselbaren Bildsprache. Seine Arbeiten setzen sich mit den Möglichkeiten und Grenzen unserer Wahrnehmung auseinander und thematisieren den ständigen Wandel zwischen Realität und Illusion.
Ausgangspunkt seiner Werke sind häufig ikonische Motive der Kunst-, Medien- und Alltagsgeschichte. Doch anstatt sie naturalistisch wiederzugeben, reduziert er sie auf ihre wesentlichen visuellen Merkmale. Porträts, Figuren oder Objekte werden in tausende fein gesetzte Punkte oder Linien aufgelöst, bis scheinbar nur noch ihre elementare Struktur erhalten bleibt. Farbe, Form und Kontur verschmelzen zu einer Komposition, die sich erst im Auge des Betrachters vollständig entfaltet.
Gerade dieses Wechselspiel zwischen Nähe und Distanz bildet den Kern seines Schaffens. Aus unmittelbarer Nähe erscheinen seine Gemälde als abstrakte Konstruktionen aus Punkten, Linien und grafischen Strukturen. Mit zunehmendem Abstand verbinden sich diese Fragmente zu einer überraschend präzisen Bildwirklichkeit. Was zunächst abstrakt wirkt, gewinnt an Klarheit; was eindeutig erschien, beginnt sich wieder aufzulösen. Der Betrachter wird dadurch selbst zum aktiven Teil des Werkes, denn erst seine Bewegung im Raum lässt das Bild entstehen.
Janos Schaab untersucht damit nicht allein das Motiv, sondern den Prozess des Sehens selbst. Seine Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Innen und Außen, Konstruktion und Emotion, Reduktion und Komplexität, Gegenständlichkeit und Abstraktion. Sie machen sichtbar, dass Wahrnehmung niemals statisch ist, sondern sich fortwährend verändert und immer von Distanz, Perspektive und Erfahrung abhängt.