untame flow stay release

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Gruppenausstellung
31. August – 29. November 2026

Bild 1–2: Justyna Górowska, Hydrosex Call , 2025, multimediale Installation und Performance. Fotos: Jan Koszewnik.
Bild 3: Jenni-Juulia Wallinheimo-Heimonen, How Great Is Your Darkness? , 2024, Filmstill. Foto: Rasoul Khorram.
Bild 4: Jenni-Juulia Wallinheimo-Heimonen, How Great Is Your Darkness? , 2024, Filmstill. Foto: Cristal Alakoski.
Bild 5, 7–8: Courtesy Temporary Gallery
Bild 6: Finnegan Shannon, Have you ever fallen in love with a clock? – Saturday, 2021, Uhrwerk (Day Clock), DiBond, Uhrzeiger, Farbe. Foto: Uli Gebert. Courtesy die Künstlerinnen und Deborah Schamoni.

untame flow stay release präsentiert künstlerische Praktiken, die als Antwort auf ungerechte, umweltschädliche und ableistische Strukturen entstanden sind – Systeme, die Menschen und Gemeinschaften unterdrücken, indem sie Gewalt individualisieren und gemeinsame Erfahrungen in isolierte Kämpfe zersplittern. Das Projekt begreift den Ausstellungsraum und seine Erfahrung als eine Situation für gemeinsame Freude, Erholung und Wiedergutmachung. Dabei wird auf unterschiedliche Körper und ihre physischen und sozialen Bedürfnisse und Wünsche geachtet. Um die Kunstwerke in eine Spekulation über zukünftige, nicht-toxische und barrierefreie Räume zu erweitern, wird die Ausstellung durch eine Forschungspräsentation namens detox access spaces begleitet. Diese bringt Beiträge von Künstlerinnen, Kuratorinnen, Ausstellungsarchitektinnen und Denkerinnen zusammen, die an inklusivem, nicht-toxischem Ausstellungsdesign arbeiten.

Die Ausstellungsarchitektur von Jakob Engel (in Kooperation mit Citra Amongsari) verflicht die Werke der Künstler:innen, die Forschungsbeiträge und Strukturen zum Verweilen und Versammeln miteinander, sodass Kunstwerke, Materialität, Körper und Wissen miteinander fließen können.

Auf den ersten Blick scheinen der Rhein, der durch Köln fließt, und der Ausstellungsraum der Temporary Gallery zwei unterschiedliche Räume zu sein: Der eine ist „natürlich“, der andere kulturell codiert. Doch beide sind Umgebungen, die stark von menschlichen Eingriffen geprägt und kontrolliert werden. Seit Jahrhunderten wird der Rhein durch Dämme, Schleusen, Begradigungen und Uferbefestigungen reguliert – ein „gezähmter” Fluss, der industriellen, wirtschaftlichen und stadtplanerischen Interessen unterworfen ist. Ebenso ist der „White Cube” kein neutraler Raum, sondern ein architektonisch und institutionell konstruierter Rahmen, der bestimmte Körper, Verhaltensweisen und Wahrnehmungsformen privilegiert, während er andere ausschließt. Beide können durch Machtstrukturen unerträglich werden: Der Fluss trägt Spuren industrieller Verschmutzung, Chemikalien und ökologischer Ausbeutung. Der Ausstellungsraum reproduziert häufig materielle Toxizität durch Kunststoffe, Lösungsmittel und synthetische Farben sowie soziale Toxizität durch physische Barrieren, sensorische Überforderung und elitäre Zugangscodes. In beiden Fällen sind es verletzliche Körper – Menschen mit Behinderungen, chronischen Erkrankungen und sozioökonomischen Benachteiligungen –, die von diesen Bedingungen am stärksten betroffen sind.