TARIERUNG

AktuellNow
Nina Annabelle Märkl
24. Juli – 27. September 2026

Tarierung ist der Ausgleich zwischen Kräften, zwischen Auftrieb und Abtrieb mit den zur Verfügung stehenden Mitteln: dem eigenen Körper, der Verschiebung von Gewichten. Sie ist ein stetiger, nicht abschließbarer Prozess. Sie braucht Spannung. Sie zielt auf einen neutralen Zustand. Die Balance will erzeugt und gehalten werden, da sonst das gesamte Bild, einem Vexierspiel gleich, in eine andere Perspektive springt. Da ist das Stolpern, da ist der Kipppunkt. Die Schnittstelle zwischen Kipppunkt und Gleichgewicht ist ein Moment der Stille, der Reglosigkeit zwischen zwei Atemzügen. Der Vorbote des Kollabierens, des Fallens von Dingen.

Die Dinge auf Tara stellen. Alles Überflüssige wegnehmen, die Distraktion, die Verpackung, bis rein die Substanz übrigbleibt oder ihr Fragment. Das ist Zeichnen. Die Zeichnung im Raum entwickelt modulare Systeme punktueller Verknüpfungen, die sprunghaft und flexibel Gestalt und Bedeutung verändern können und in jeder ihrer Momentaufnahmen das Gesamt ihrer möglichen Ausprägungen in sich tragen. Die Zeichnung ist ein Möglichkeitsinstrument: Die Verhältnisse und Räume, die sie auslotet, sind nach Außen gestülpte Innenräume in wechselnden Aggregatszuständen. Dieser Raum ist eine Art Kabinett.

Im super+CENTERCOURT entsteht eine durchlässige zeichnerische Rauminstallation, die sich zwischen Decke, Wand und Raum aufspannt und sich über Kupferrohr, abgehängte und verspannte Zeichnungen auf Leinwand, gewachste Anglerschnur und Gewichte austariert. Gedanken, Bilder und Fragmente versammeln sich zwischen Logik und Absurdität um gemeinsam einen losen Raumkörper zu bilden. Punktuell und momentan.