


Swing Life
BaldSoonCourtesy Raum linksrechts
Die Schaukel verbindet. Fast alle haben Erinnerungen an sie, über Kulturen und soziale Grenzen hinweg. Das Schaukeln braucht keine Erklärung und ist doch vielschichtig: unbeschwert und spannungsgeladen zugleich, ein Schweben zwischen festem Boden und freiem Flug. Die Schaukel kann Spielgerät, Rückzugsort, Bühne oder Ort des Begehrens sein.
In ihrer Bewegung pendelt sie zwischen Gegensätzen: Kindheit und Erwachsensein, Privatheit und Öffentlichkeit, Intimität und Distanz, Sicherheit und Gefahr. So vertraut sie ist, so offen bleibt sie für kritische, feministische und queere Lesarten.
Die Ausstellung lädt ein, das Motiv der Schaukel und des Schaukelns aus unterschiedlichen künstlerischen Perspektiven zu erforschen. Die Arbeiten reichen von Malerei über Holzschnitzerei, Skulptur und Keramik bis zur Installation einer benutzbaren Schaukel in den Ausstellungsräumen.
Positionen
In seinem Gemälde macht Tariano Schneider die Schaukel zur Bühne der Selbstinszenierung. Der Protagonist des Bildes bietet sich nicht bloß dem Blick anderer dar, sondern erwidert ihn und behauptet sich als Subjekt.
Helena Walter hingegen erklärt die Schaukel zum Objekt der Lust. Ihre Liebesschaukel ruft die Erotik kunsthistorischer Schaukelszenen auf, verweigert aber deren Zurückhaltung. Wo das Spiel auf der Schaukel das Begehren sonst verschleiert, legt ihre Arbeit es unmittelbar offen.
Bei Maja Wietfeldt ist die Schaukel weniger Gegenstand als Raum. Hinter einer Türschwelle gelegen und doch nur in der Vorstellung wirklich, öffnet sich die Schaukelszene als Projektionsraum.
Die Keramiken von Poppy Luley sind in der Bewegung eingefroren. Sie bilden ein Gegengewicht zu den ungreifbaren Gefühlen, von denen die Schaukel erzählt und bewahren sie zugleich: die kindliche Leichtigkeit, die Freiheit in der Luft, das unbeschwerte Verliebtsein.
Philipp Neßler lässt die Schaukel verblassen. Aus Paraffinwachs gegossene Schaukelbretter hängen gespenstisch und reglos von der Decke; in ihnen hallt die Stille eines verlassenen Spielplatzes nach.
Ein begleitender Text von Benedikt Habermann untersucht die Schaukel als Bild einer Freiheit, die an das gebunden bleibt, was sie zurückholt.