Edge Conditions

BaldSoon
Jörn Stoya
31. Oktober – 23. Dezember 2026

Courtesy Petra Rinck Galerie

Jörn Stoya stellt in seiner neuen Ausstellung in der Petra Rinck Galerie eine Reihe von Bildern vor, die den Titel Home tragen.

Home meint hier einen uns vertrauten Ort der Erinnerung. Ein grenzenloses Reservoir, bevölkert mit Momenten, die bis in die Steinzeit reichen und fest in unserem Unterbewusstsein verankert, jede Entscheidung auf der Leinwand beeinflussen können. Ein Reservoir, aus dem der Künstler, wie auch jeder Mensch, schöpft und welches wir nicht ablegen können, weil es in unserem Wesen verankert ist.

Stoya benutzt diesen englischen Begriff, weil er eben nicht die deutschen Worte „Heimat“ oder „zuhause“ meint, sondern den Pool von Informationen und Bildern, der jedem zugänglich und gemeinschaftlich gesammelt sich mit unserer persönlichen Geschichte verbindet. Bilder entstehen so nicht als Resultat einer singulären Anstrengung, sondern als Weiterentwicklung einer Arbeit, die die Höhlenmaler der Steinzeit begannen. Und da wir spätestens seit dem 20. Jahrhundert wissen, dass das Bild im Auge des Betrachters und damit in der Zukunft entsteht, ist der Prozess im Atelier auch noch gar nicht abgeschlossen und bleibt wohl auch unvollendet.

Home ist als Ort des Übergangs zu verstehen, der mit beiden Enden unserer Existenz, der Vergangenheit wie der Zukunft, in Verbindung steht.

Mit dem Ausstellungstitel Edge Conditions greift Stoya einen Begriff der Architektur auf. Er beschreibt die Konditionen, unter denen verschiedene Materialien, Orte oder Gesetzmäßigkeiten aufeinandertreffen. Nicht nur das diesjährige „London Festival of Architecture“ nutzt diesen Titel, sondern auch der kalifornische Musiker Jeremiah Chiu nennt sein neues Album so, weil ihm die Verwandtschaft von Schnittstellen und Grenzen bei der Produktion von Musik zu dem ursprünglich städtebaulichen Ansatz auffiel. Edge Conditions kann aber auch das Aufeinandertreffen von Ebbe und Flut oder von alten und neuen Ideen beschreiben. Der Begriff könnte gesellschaftliche Prozesse und Konflikte, oder, noch grundsätzlicher, die Begegnung von Natur und Kultur darstellen. Er scheint eine Kurzbeschreibung unseres Wesens und der Welt, in der wir leben, zu sein.

Jörn Stoya erwähnt, dass der Anfangsgedanke für diese neue Bilderserie ein Schmuckstück, eine Kette, gewesen sei. Eine Aneinanderreihung von verschieden großen und farbigen Einzelteilen, die zusammen ein stimmiges Ganzes ergeben. Vielleicht eine Gedankenkette, ein Farbklangbild, ein Kettenbrief, ein Erinnerungslückenschließer…

Die Malerei, aus purem Pigment gefertigt, zieht sich durch das Bild und lässt gleichzeitig Raum, Raum, dessen eigentliches Format durch eine schmale schwarze Leiste beschrieben wird. Dieser Bereich bleibt leer, zeigt den rauen unbehandelten Nessel, Spuren der Arbeit am Bild (Stoya nennt es „schönen Schmutz“) und den gedachten Raum, in dem alles stattfindet, und den man vielleicht auch Home nennen könnte.

Man kann viele Synonyme suchen und Beschreibungen erdenken, aber da Stoya die Sprache der Malerei wählt, bleibt eigentlich nur das Schauen.

Kurt Feuerbach

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