
Bad Dreams
BaldSoonSusan Hiller, Channels, 2013. Courtesy Lisson Gallery © Estate of Susan Hiller.
„Ich habe mich der Arbeit mit ‚Geistern‘ verschrieben, also mit kulturellen Überresten, Fragmenten und Dingen, die für die meisten Menschen unsichtbar, für einige wenige jedoch von großer Bedeutung sind: Situationen, Ideen und Erfahrungen, die uns kollektiv verfolgen.“
Träume, Trancezustände, Halluzinationen, Spiritualität, Glaube, veränderte Zustände des Bewusstseins, Begegnungen mit dem Jenseits und mystische Phänomene aller Art haben kulturen- und epochenübergreifend Sehnsüchten, Fantasien, Ängsten und Überzeugungen Gestalt verliehen. In den fünf Jahrzehnten ihres Schaffens erforschte die britische Künstlerin Susan Hiller (* 1940, USA – † 2019, UK) diese geheimnisvollen Themenfelder und wie entsprechende Erfahrungen dargestellt, in Erinnerung behalten und erzählt werden.
Bad Dreams ist die erste Überblicksausstellung zu Hillers Werk in Berlin – einer Stadt, die ihr künstlerisches Schaffen in den frühen 2000er-Jahren geprägt hat. Die Ausstellung widmet sich der anhaltenden Auseinandersetzung der Künstlerin mit einer Frage, die auch für unsere Gegenwart höchst relevant ist: Wie werden unsere persönlichen und kollektiven Vorstellungswelten durch Bilder und Objekte, Massenmedien und Populärkultur geprägt und offenbart? Ausgehend von ihrer anhaltenden Faszination für die (Un-)Möglichkeit, Phänomene sichtbar zu machen, die sich einer einfachen Erklärung entziehen, entfaltet sich Bad Dreams als eine Reihe von Erfahrungen. Geisterhafte Bilder tauchen auf, Körper trotzen der Schwerkraft, und Kinder demonstrieren übernatürliche Fähigkeiten, während Stimmen von UFO-Sichtungen und Nahtoderfahrungen berichten. Für Hiller ist das Unheimliche nie weit vom Alltag entfernt. Kindertapeten und Spielzeugküchen verweisen auf den häuslichen Bereich als einen Raum, in dem gesellschaftliche Erwartungen und Vorstellungen Gestalt annehmen, während Weihwasser, rätselhafte Bilder und andere Kuriositäten offenbaren, wie gewöhnliche Dinge durch Assoziationen, Kontext und Erzählungen mit Bedeutung aufgeladen werden. Die Ausstellung erstreckt sich auch auf das Internet, welches Hiller früh als künstlerisches Medium, als Hort psychischer Sehnsüchte, Überzeugungen und Geheimnisse begriff.
Als wegweisende Persönlichkeit der Konzept- und Multimedia-Kunst untersuchte Hiller, wie Fantasie, Angst und Bedeutung konstruiert werden und wie sie unsere Wahrnehmung der Welt prägen. Bad Dreams greift eine erkenntnistheoretische Frage auf, die im Zentrum ihres Werks steht: Wie geben wir Dingen, die wir nicht vollständig erklären können, eine Gestalt?
Kuratorinnen: Emma Enderby, Liberty Adrien Assistenzkurator*in: Lara Scherrieble
Susan Hiller (* 1940, USA – † 2019, UK) beeinflusste mit ihrem multimedialen Werk Generationen von Künstler*innen und erlangte internationale Anerkennung. Zu ihren wichtigsten Einzelpräsentationen und Retrospektiven zählen Ausstellungen in der Lisson Gallery in New York (2023 und 2026), im Bloomberg SPACE in London (2020), im Polygon in Vancouver (2018), im Musée d’Art Moderne et Contemporain in Toulouse (2014), in der Tate Britain in London (2011), im Moderna Museet in Stockholm (2007), im ICA in Philadelphia (1998) und im ICA in London (1986). Zu den zahlreichen Gruppenausstellungen, an denen sie teilnahm, gehörten die documenta 13 (2012) und die documenta 14 (2017) in Kassel sowie die Manifesta 11 in Zürich (2016). Werke der Künstlerin befinden sich in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen, darunter im Centre Pompidou in Paris und dem Museum of Modern Art in New York sowie in der Tate Gallery in London.