and order

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Annika Eriksson
27. Juni – 30. August 2026

Kristien Daem

Es gibt Momente, in denen Ordnung weniger als ein System erscheint denn als ein fragiles Einvernehmen zwischen Dingen. Eine Katze, schlafend auf einer Fensterbank. Ein Stuhl, leicht in Richtung des offenen Fensters gerückt. Drei leere Kartons, an deren Weg in den Raum sich niemand mehr erinnern kann. Eine Decke, die noch die Kontur einer Person bewahrt, die längst aufgestanden ist. Für den Augenblick ist dies die Ordnung der Dinge, während das Licht weiter durch den Raum wandert, lange nachdem sich seine bisherige Bestimmung verändert hat.

Seit mehr als vier Jahrzehnten entwickelt Annika Eriksson Arbeiten, die sich den instabilen Anordnungen widmen, in denen Figuren einen Raum miteinander teilen. Ihre Filme, Performances und Installationen beleuchten, wie Gesten, Gewohnheiten und Routinen Formen des Zusammenlebens organisieren: wie Nähe ausgehandelt wird, wie sich Verhalten unter Beobachtung verändert und wie unsichtbare Strukturen den Alltag prägen.

In Erikssons Werk fungiert Beobachtung nur selten als Form von Kontrolle. Stattdessen wirkt sie zugleich entblößend, verletzlich und verbindend. Die Distanz, die Beobachtung voraussetzt, ist niemals stabil. Man beginnt damit, ein anderes Lebewesen zu beobachten – und entdeckt plötzlich, dass daraus ein*e Gefährt*in geworden ist. Oder ein*e Rival*in. Oder ein Spiegel. Tiere erwidern den Blick mit einer Geduld, die eine Situation verunsichert, während Menschen beginnen, sich selbst zu regulieren, sobald ihnen bewusst wird, dass sie beobachtet werden.

Unter dieser fragilen Koexistenz liegt jedoch eine weitere Spannung. Was zunächst als Aufmerksamkeit erscheint, verdunkelt sich allmählich zur Fixierung. Ein Blick verweilt einen Moment zu lange. Gewohnheiten werden zu Zwängen. Aufmerksamkeit wird zur Überwachung. Systeme beginnen, Ausnahmen hervorzubringen. Regeln erzeugen Schlupflöcher. Die Situation entwickelt ein Eigenleben. Währenddessen schläft die Katze einfach weiter.

In „and order“ nähert sich Eriksson diesen Situationen durch eine Konstellation von Formen, die das Verhältnis zwischen Bild, Objekt und Raum fortwährend neu ordnen. Bewegtbildarbeiten – von der Künstlerin als „Anti-Videos“ bezeichnet – koexistieren mit klein- und großformatigen Collagen, Dioramen und einer skulpturalen Umgebung, die sich durch die gesamte Ausstellung erstreckt. Während die Collage traditionell Fragmente zu einem neuen Bild zusammensetzt, wird sie hier gleichzeitig zu einer Methode, die Seite, die Wand und den Raum selbst zu organisieren. Bilder kehren in veränderter Form und in unerwarteten Maßstäben wieder. Sie häufen sich, quellen über und drohen gelegentlich die Strukturen zu überwältigen, durch die sie eigentlich geordnet werden sollen. Was als Akt der Organisation beginnt, nähert sich allmählich einer Obsession; was geordnet erscheint, droht jederzeit ins Absurde umzuschlagen.