



Double Exposure
BaldSoonWährend in Georgien Hunderttausende für demokratische Rechte, politische Selbstbestimmung und die europäische Zukunft des Landes auf die Straße gehen, eröffnet die KORNFELD Galerie Berlin mit Double Exposure eine Ausstellung der georgischen Künstlerin Rusudan Khizanishvili. Die Schau versammelt neue Arbeiten einer Malerin, deren Werk seit Jahren die Spannungen zwischen persönlicher Erinnerung, kultureller Identität und politischer Realität verhandelt und die vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen in Georgien eine neue Aktualität erhalten.
Khizanishvili zählt zu den markantesten Stimmen der zeitgenössischen Kunst Georgiens. Ihre großformatigen Gemälde bevölkern mythologische Figuren, weibliche Archetypen, Tiere und hybride Wesen. Zwischen Traum und Wirklichkeit entstehen Bildwelten, die zugleich zutiefst persönlich und gesellschaftlich aufgeladen sind. In ihren Arbeiten verschmelzen georgische Legenden, familiäre Erinnerungen, postsowjetische Erfahrungen und aktuelle Fragen von Freiheit, Zugehörigkeit und Selbstbestimmung.
Asja Wolfs kuratierte Ausstellung versteht den Titel Double Exposure als Metapher für die Überlagerung unterschiedlicher Wirklichkeiten. Wie bei einer fotografischen Doppelbelichtung treffen in Khizanishvilis Bildern Vergangenheit und Gegenwart, Mythos und politische Realität, individuelle Biografie und kollektive Geschichte aufeinander. Ihre Malerei zeigt nicht die Ereignisse selbst, sondern die emotionalen und kulturellen Nachwirkungen gesellschaftlicher Umbrüche.
Die neuen Werke entstanden in einer Zeit tiefgreifender Unsicherheit für Georgien. Sie reflektieren die Erfahrung einer Gesellschaft, die um ihre politische Zukunft ringt, ohne dabei auf direkte politische Ikonografie zurückzugreifen. Stattdessen entwickelt Khizanishvili eine symbolische Bildsprache von außergewöhnlicher Intensität. Ihre Figuren erscheinen verletzlich und kraftvoll zugleich, gefangen zwischen Erinnerung und Transformation, zwischen Verlust und Hoffnung.
Für ein internationales Publikum eröffnet die Ausstellung einen Zugang zu Georgien jenseits der täglichen Nachrichtenbilder. Während politische Analysen vor allem Institutionen und Machtverhältnisse beschreiben, macht Khizanishvilis Kunst sichtbar, wie gesellschaftliche Veränderungen in individuellen Erfahrungen, Körpern und kollektiven Vorstellungen fortwirken. Ihre Bilder erzählen von Resilienz, Identität und dem Wunsch nach Selbstbestimmung, Themen, die weit über die Grenzen Georgiens hinausreichen.
In Berlin erhält diese Perspektive besondere Relevanz. Als europäische Metropole mit engen kulturellen Verbindungen nach Osteuropa wird die Stadt zunehmend zu einem Ort, an dem die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Region diskutiert werden. Double Exposure lädt dazu ein, diese Debatten aus einer künstlerischen Perspektive neu zu betrachten.
Rusudan Khizanishvili (*1979) lebt und arbeitet in Tiflis. Sie studierte an der J. Nikoladze Kunstschule sowie an der Staatlichen Akademie der Künste in Tiflis. Ihre Arbeiten wurden international gezeigt, unter anderem 2015 im Rahmen der 56. Biennale von Venedig. Heute gilt sie als eine der bedeutendsten Künstlerinnen ihrer Generation in Georgien. Ihr Werk wird weltweit ausgestellt und ist in bedeutenden öffentlichen wie privaten Sammlungen vertreten, darunter: Mark Rothko Art Centre, Daugavpils (Lettland), Georgian National Museum, Tbilisi (Georgien), Oni Local Museum, Oni (Georgien), Kvareli Foundation (Kvareli, Georgien), die Sammlungen von Stefan Simchowitz, Los Angeles (USA), Sam Keller (Schweiz), Collezione Taurisano, Neapel (Italien), Ettore Rossetta (Italien), Museum of Old and New Art (MONA), Australien, sowie die Breus Foundation, Moskau (Russland). Diese Präsenz unterstreicht die internationale Reichweite und anhaltende Relevanz ihres Schaffens.