stella maris

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Sophie Esslinger
4. September – 7. November 2026

Bild 1–6: Installation view Photo: Wolfgang Günzel
Bild 7–8: Photo: JMR Dokumentation

Wir freuen uns auf die erste Einzelausstellung mit Sophie Esslinger (*1996 in Linz) in der Galerie

Es gibt nichts Interessantes hier
Die Ruinen von Atlantis nur
Aber keine Spur von dir
Ich glaub’ du kommst nicht mehr
Wir haben uns im Traum verpasst
Stella Maris, Einstürzende Neubauten,1996

Als „Stern des Meeres“ lässt sich der Titel übersetzen, den Sophie Esslinger ihrer Ausstellung gegeben hat. stella maris bezeichnet ein paradoxes Orientierungsbild: einen Stern, der selbst stets unerreichbar bleibt und dennoch aus der Ferne eine Richtung zu weisen verspricht. Als Beiname der Jungfrau Maria ist die Metapher schon seit dem Mittelalter eng mit Vorstellungen von Führung, Schutz und Hoffnung verbunden – insbesondere für Reisende und Seefahrende. Welchem Stern, also welcher Himmelsrichtung, der Begriff konkret zugeordnet ist, konnte in der Auslegung jedoch durchaus differieren.

Sophie Esslingers stella maris, ihr eigenes Leitsystem, ist ihr Formenkatalog: imaginierte und reale, erdachte und gesammelte Bilder, Piktogramme und Symbole, deren Provenienzen zwischen Kunstgeschichte und Popkultur oszillieren. Sie durchziehen ihre Bildwelten und bilden das Koordinatensystem ihres malerischen Kosmos. Sterne gehören zu den häufigsten der von ihr eingesetzten Allegorien, aber auch Tropfen, Augen oder abstraktere Formen wie Kreise tauchen, wie alte Bekannte, immer wieder auf und fungieren als verbindendes Glied innerhalb ihres Œuvres – ohne sich jedoch jemals zu allzu eindeutigen Zeichen zu verfestigen. Stets scheinen sich die Formen auf Esslingers Leinwänden im Übergang zu befinden, ihren Aggregatzustand zu wechseln und nur flüchtig zu erscheinen, bevor sie wieder eins mit den sie umgebenden, surreal anmutenden Landschaften werden oder sich in den Bildgrund zurückziehen. In dieser semantischen Beweglichkeit liegt ein wesentliches Prinzip ihrer Malerei: Die Zirkulation von Formen und Symbolen mündet explizit nicht in ikonografischer Eindeutigkeit, sondern in Differenz – Wiederholung bedeutet nicht Wiederkehr des Gleichen, sondern kontinuierliche Verwandlung.

Dem Bild des Lichtjahre entfernten Sterns, von dem man nie genau weiß, ob er selbst oder nur noch sein Funkeln existiert, sind Esslingers Malereien eindeutig nicht nur motivisch verbunden.