
Shelter
Angela de la Cruz, Shelter L (Pale Olive), 2026, Acrylic on canvas and aluminium (Aluminium face, loose canvas in the middle and stretched canvas on back), 170 x 165 x 25 cm; 66 7/8 x 65 x 9 7/8 in, Courtesy of the artist and Galerie Thomas Schulte, Berlin.
In „Shelter“, ihrer vierten Einzelausstellung in der Galerie Thomas Schulte, knüpft Angela de la Cruz an ihre unverwechselbare künstlerische Praxis an. Ausgehend von der Formensprache der Malerei und des Minimalismus entstehen Arbeiten von eindringlicher physischer und emotionaler Präsenz. Eine neue Serie monochromer, wandmontierter Arbeiten mit skulpturalem Charakter besteht aus mehreren Schichten gespannter und loser Leinwand, die von einer Aluminiumoberfläche bedeckt sind. Die feste äußere Hülle offenbart durch Dellen und Falten zugleich ihre eigene Fragilität. Darunter kommt die ebenfalls gestauchte und zerknüllte Leinwand zum Vorschein. An den Rändern drängt sie nach außen, quillt hervor und gibt den Blick auf ein weiches, Körperinneres frei. Im Zusammenspiel der unterschiedlichen Materialoberflächen zeigen sich subtile Verschiebungen und überraschende Entsprechungen: Festigkeit weicht der Verletzlichkeit, Verhüllung wird zur Entblößung, geometrische Ordnung bricht in sich zusammen und offenbart einen Mangel an strukturellem Halt.
Die Arbeiten in „Shelter“ erinnern an notdürftige Schutzschilde oder weiche, provisorische Umhüllungen und lassen eine prekäre Form des Schutzes erahnen. Vielleicht sind sie eine Reaktion auf ein ebenso prekäres Umfeld. Sie konfrontieren uns mit den Folgen dessen, was bereits geschehen ist, und geben zugleich einen Hinweis auf das, was noch bevorsteht.