







where things stay too long
AktuellNowCourtesy Galerie The Tiger Room
Abgestreifte Schuhe warten vor der Haustür, die ornamentale Tränke soll Vögel locken, ein Trampolin ruft ausgelassenes Kinderlachen in Erinnerung. Rechen, Schubkarre und Beet zeugen von getaner Gartenarbeit. Ein Meisenknödel hängt von der Decke, mit Tierköpfen statt Futter im Netzinnern. Warum nicht auf der hybriden Bank Platz nehmen und die Ruhe der Vorgartenidylle genießen? Das Publikum bewegt sich im nach innen verlegten Außenraum wie zwischen Inseln. Ist es Teil der Installation und somit Teil des Vorgartens? Und wenn ja, wer gehört noch dazu?
Bei Künstlerin Sophia Mainka entzieht sich der Vorgarten jeglicher eindeutiger Zuschreibung, und das beginnt schon beim Material. Verführerisch glänzende Oberflächen sehen aus wie gehäkelt, wirken tastbar und warm, kippen bei näherem Hinsehen ins Klebrige, Abjekte. Das perlenartig anmutende Material stammt aus dem Bau-und Sanitärbereich: Traditionell weiblich konnotiertes Textil erweist sich als Baustoff. Wie eine zweite Haut legt sich das Silikon ungewohnt weich über harte, scharfkantige Formen und eignet sich teilweise gefundene Objekte ein zweites Mal an. Der Materialwechsel ist Verwirrspiel um Wertigkeit: Was industriell anmutet, ist von Hand gefertigt, was handgemacht wirkt, ist industriell hergestellt. Steinerne Tierköpfe bestehen aus Papier, der Marmor ist falsch, das Häkelmuster aus Silikon. Mainkas Spiel mit Größenverhältnissen, mit Kitsch und Doppelmotivik verstärkt solche Kippmomente. Schuhe schimmern metallen an der Wand, erinnern an Scherenschnitte, könnten auch Silhouetten von Vögeln sein.