
Vom Verschwinden der Bilder
BaldSoonCourtesy Galerie Mond Fine Arts
Die Galerie Mond Fine Arts zeigt neue Arbeiten des Düsseldorfer Künstlers Dieter Nuhr. Ausgangspunkt seiner Bilder sind digitale Lochbildfotografien, deren Motive er auf Reisen durch unterschiedliche Regionen der Welt findet. Die Bilder widmen sich nicht dokumentarisch der Topografie der Orte, sondern transformieren das fotografisch Dokumentierte in Fragmente der Erinnerung.
Nuhrs Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld von Fotografie und Malerei, digitaler Bildgenese und analoger Materialität. Selbst programmierte digitale Pinsel verbinden sich mit Acrylfarben und physischen Eingriffen in die Bildoberfläche. In einem vielschichtigen Prozess wird das fotografische Ausgangsmaterial eingewoben, verdichtet, reduziert und in weiten Teilen ausgelöscht. Es entstehen Bilder von ausgeprägt malerischer und materieller Präsenz, die ihren fotografischen Ursprung zugleich als sichtbare Spur bewahren.
Der Titel der Ausstellung verweist unmittelbar auf diesen Prozess des Verschwindens. Der malerische Vorgang entspricht der Funktionsweise von Erinnerung: Auch sie bewahrt nicht das vollständige Bild, sondern Fragmente, Verdichtungen und Spuren. Das Unwesentliche verschwindet, die Essenz besteht fort. Nuhrs Bilder beschönigen die Realität nicht, doch sie zeugen von einer Sehnsucht nach der Erhabenheit des Großen Ganzen, ohne pathetisch zu werden. In den fragmentierten Zitaten der Realität ahnt der Betrachter die Größe des Ganzen.