Konrad Klapheck

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Konrad Klapheck
12. Juni – 8. August 2026

Exhibition view: Konrad Klapheck, 12 June – 8 August 2026, Galerie Max Hetzler, Berlin.
© Konrad Klapheck, VG Bild-Kunst Bonn 2026, courtesy the artist and Galerie Max Hetzler Berlin | Paris | London | Marfa
Photo: def image

Galerie Max Hetzler, Berlin, freut sich, eine Ausstellung mit Bildern von Konrad Klapheck anzukündigen. Es ist unsere erste Einzelausstellung mit Werken des Künstlers.

Im Laufe seines Schaffens entwickelte Klapheck ein außergewöhnliches malerisches Œuvre, das nicht nur innerhalb der deutschen Nachkriegskunst, sondern auch weit darüber hinaus eine herausragende Stellung einnimmt. In den 1950er Jahren, als viele internationale Künstler abstrakt arbeiteten, wandte sich Klapheck bewusst gegen diesen Trend und hin zur Figuration. Von 1954 bis 1958 studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf Malerei bei Bruno Goller, der eine prägende Persönlichkeit der deutschen Kunstszene dieser Jahre war und mit seiner rätselhaften figurativen Malerei eine Alternative zum vorherrschenden Informel bot. Möglicherweise war es die Ermutigung seines Lehrers und Mentors, die Klapheck 1955 dazu veranlasste, eine erste Schreibmaschine zu malen und damit seine „Maschinenbilder“ zu beginnen. Diese sollten seine künstlerische Praxis in den folgenden vier Jahrzehnten prägen. Die scheinbar banalen Alltagsgegenstände, die Klapheck in einem präzisen, realistischen Stil darstellte, bilden eine Genealogie gewöhnlicher Dinge: Motorräder, Radios, Haartrockner, Stühle und andere vertraute Objekte. In der Ausstellung werden Werke aus den Jahren 1963–1993 gezeigt.

Stilistisch zwischen Surrealismus, Neuer Sachlichkeit und Pop Art positioniert, entwickelte Klapheck seine eigene Bildsprache. Durch Isolierung, Vereinfachung und den übermäßigen Einsatz von Perspektive verwandelte er seine Objekte in gewaltige, unheimliche Erscheinungen. Ein von Klapheck gemaltes Objekt ist unmittelbar an seinem kalten, metallischen Glanz und seiner monumentalen Präsenz erkennbar. Einem ansonsten realistisch dargestellten Fahrrad oder Motorrad fehlt fast immer ein funktional notwendiges Element, gewöhnliche Gebrauchsgegenstände werden aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst. In surreale, symbolisch aufgeladene Bilder verwandelt, werden seine Werke zu Metaphern für menschliche Beziehungen, Macht, Sexualität und Entfremdung. Abstrahiert, entrückt, ästhetisiert und personifiziert, entziehen sie sich der Logik der Konsumwelt. Für jedes Gemälde entwickelte Klapheck akribisch eine vorbereitende Kohle- oder Bleistiftzeichnung, in der er die Proportionen, die Präzision und die psychologische Spannung seiner Bilder festlegte. Zwei solcher Vorzeichnungen auf Leinwand werden in der Ausstellung gezeigt.

Durch seine jahrzehntelange Beschäftigung mit Maschinen stellte sich Klapheck in die Tradition der Surrealisten, in deren Zirkel und intellektueller Atmosphäre er sich bewegte. Beispielhaft zu nennen sind etwa Francis Picabia, mit subversiven Darstellungen funktionsloser Mechanismen, oder Marcel Duchamp, der mit seinen Readymades traditionelle Vorstellungen von Autorschaft, Funktion und Wert von Kunst infrage stellte. Tatsächlich erinnert das auf den Kopf gestellte Fahrrad in Die Fragwürdigkeit des Ruhmes, 1978, an Duchamps Readymade Bicycle Wheel von 1913. Auch über dieses gemeinsame Motiv hinaus lassen sich in Klaphecks Produktion Parallelen zu Duchamps Werk nachweisen. André Breton, den Klapheck 1961 während eines Aufenthalts in Paris erstmals traf und mit dem ihn in der Folge eine Freundschaft verband, stellte in einem Text anlässlich von Klaphecks Einzelausstellung 1965 in der Galerie Ileana Sonnabend ebenfalls eine Verbindung zu Duchamp her. Zugleich betonte Breton jedoch, dass Klaphecks Werk nicht bloß eine Fortführung des Surrealismus sei, sondern eine eigenständige Position zwischen Präzision, Ironie und Unbehagen einnehme.¹

Eine weitere Interpretationsebene öffnet sich durch die Diskrepanz zwischen Klaphecks Bildkompositionen und ihren Titeln. Mit Bezeichnungen wie Die Gastgeberin, Die Verführerin oder Der mütterliche Vater verleiht der Künstler seinen Objekten geschlechtlich konnotierte Identitäten. So erscheinen Nähmaschinen weiblich und Schreibmaschinen männlich. Andere Titel wie Die Jagd nach dem Glück, Die Fragwürdigkeit des Ruhmes oder Der Erfolg und sein Preis beziehen sich auf persönliche Erinnerungen des Künstlers, Begegnungen mit Zeitgenossen und Situationen, die allgemein menschliche Erfahrungen widerspiegeln. Er ließ diese Bezüge bewusst offen und bemerkte, dass sich die Erläuterung eines Titels ebenso verbiete wie die Erklärung der Pointe eines Witzes.

Durch das spannungsreiche Zusammenspiel von Form, Titel und Assoziation werden Klaphecks Maschinen zu psychologisch und gesellschaftlich aufgeladenen Erscheinungen. Sie gehen über eine bloße Darstellung hinaus und verkörpern gelebte Erfahrung, Angst und Begehren. Indem das Vertraute und das Fremde ineinander übergehen, entfalten seine einzigartigen Objekte eine universelle Resonanz und regen die Erinnerungen und emotionalen Reaktionen der Betrachter unmittelbar an.

Galerie Max Hetzler dankt allen Leihgebern für die großzügige Unterstützung der Ausstellung.

¹ A. Breton, Konrad Klapheck, Ausst. kat., Paris: Galerie Ileana Sonnabend, 1965.

Konrad Klapheck (1935–2023) lebte und arbeitete in Düsseldorf. Ab 1979 hatte er eine Professur für Malerei an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Werke Klaphecks befinden sich unter anderem in den Sammlungen des Centre Pompidou, Paris; Fondazione Prada, Mailand; Hamburger Kunsthalle; Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf; Museum Folkwang, Essen; Museum Ludwig, Köln; Neue Nationalgalerie, Berlin; Museum of Modern Art, New York; Pinakothek der Moderne, München; Städel Museum, Frankfurt am Main; sowie ZKM | Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe.

Klaphecks Gemälde Glanz und Elend der Reformen, 1971–1975, ist bis April 2027 im Rahmen der Sammlungspräsentation Zerreißprobe. Kunst zwischen Politik und Gesellschaft in der Neuen Nationalgalerie, Potsdamer Straße 50, 10785 Berlin, zu sehen.