Albert Oehlen

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Albert Oehlen
12. Juni – 8. August 2026

Exhibition view: Albert Oehlen, 12 June – 8 August 2026, Galerie Max Hetzler, Berlin.
© Albert Oehlen, courtesy the artist and Galerie Max Hetzler Berlin | Paris | London | Marfa
Photo: def image

Galerie Max Hetzler, Berlin, freut sich, eine Einzelausstellung mit Arbeiten auf Papier und Gemälden auf Plexiglas von Albert Oehlen zu präsentieren.

Die Ausstellung präsentiert Werke aus Oehlens Werkgruppen „Computerbilder“ und „Conduction“. Kombinationen aus rhythmischen Linien und vielschichtigen Bildmotiven ergeben ein komplexes Geflecht schwarzer Konturen vor weißem Hintergrund. Oehlens fließende, sich wiederholende Formen zeichnen Wege nach, die das Auge des Betrachters in einem poetischen Tanz durch die Kompositionen führen. In den „Computerbildern“, die erstmals zwischen 1991 und 2008 entstanden und die der Künstler ab 2024 wieder aufgriff, stellt Oehlen computergenerierte Bilder in den Vordergrund und verbindet Druck, Malerei und Collage zu einer Symbiose aus Digitalem und Analogem, Mensch und Maschine. Im Gegensatz dazu sind die 2009 begonnenen „Conduction“-Arbeiten vollständig analog ausgeführt. Die hier gezeigten Arbeiten in Bleistift, Tinte und Collage auf Papier zeichnen sich durch die Verschmelzung von geometrischen Mustern, mäandernden Linien und organischen Formen aus. Die Serie wird durch einen neuen Werkkomplex aus dem Jahr 2025 erweitert, der in Öl und Lack auf Acrylglas entstanden ist.

Die geschwungenen schwarzen Linien in diesen Werken von Oehlen erinnern an die pixelhaften Muster digitaler Bilder und lassen zugleich an surrealistischen Automatismus sowie an die emotionale Energie der Maler des Abstrakten Expressionismus von Jackson Pollock bis Franz Kline denken. In einigen der Arbeiten auf Papier sind bestimmte Bereiche mit Papiercollagen oder weißen Farbflecken überdeckt, wodurch ein Pentimento-Effekt entsteht. Mit ihren frei fließenden Formen, Buchstaben und Bewegungen wirken die Werke wie Chiffren, Grafiken oder Partituren. In einem Spiel von Push-and-Pull scheinen diese Systeme Wege zur Lesart der Werke aufzuzeigen, die jedoch kaum eingeschlagen sind, schon werden sie unterbrochen. Die Linien, die sich übereinanderlegen und entfalten, vermitteln eine sporadische Musikalität, die den synkopierten Rhythmen des Jazz ähnelt – einem langjährigen Einfluss auf Oehlen’s Schaffen. Dazu bemerkte der verstorbene Kunstkritiker Pierre Sterckx: „Oehlen versucht mit der Malerei das zu tun, was andere (Coltrane, Zappa) im Jazz oder Rock versucht haben: den Betrachter in einen Ausbruch sich überlagernder, gesättigter und expansiver Schichten eintauchen zu lassen, wobei jede Handlung wegfällt, da es weder Anfang noch Ende gibt.“¹

Die „Conduction“-Reihe, die die Parallelen zwischen musikalischer und künstlerischer Komposition in Oehlens Werk unterstreicht, wurde nach einer wegweisenden Form der strukturierten Improvisation benannt, die vom amerikanischen Musiker und Komponisten Lawrence „Butch“ Morris (1947–2013) entwickelt wurde. Diese Methode beinhaltet eine Mischung aus Systemen und Strukturen, Intuition und Improvisation, wobei der Komponist und die Instrumentalisten eine Echtzeit-Veränderung von Harmonien und Melodien initiieren, die als „kontrollierte Freiheit“ bezeichnet wird. In seiner eigenen Praxis hält sich Oehlen in ähnlicher Weise an eine Reihe selbst auferlegter konzeptueller oder formaler Parameter, während er gleichzeitig Elemente der Unbestimmtheit und des Zufalls als Schlüsselkomponenten seines kreativen Prozesses einbezieht. Wie der Autor und Kurator John Corbett feststellte: „Es ist kein Chaos. Es ist Ordnung ohne Herrschaft.“² In den hier ausgestellten Werken schlängeln sich ausufernde Formen über die Oberflächen der Kompositionen. Wie ein visueller Bewusstseinsstrom erblühen sie manchmal zu verschwommenen anamorphotischen Formen oder lösen sich in dünne Linien und pointillistische Punkte auf. Manche enden abrupt; andere erstrecken sich bis an die äußersten Ränder ihrer Parameter. Während die Arbeiten auf Papier das Licht um sie herum zu absorbieren scheinen, verzerren die Glasoberflächen der großformatigen Gemälde die Umgebung und reflektieren sie, wodurch sie eine zusätzliche Ebene dynamischer Bewegung erhalten.

In den hier gezeigten Werken vermittelt Oehlen auf eindrucksvolle Weise die Widersprüche, die seinem Schaffen zugrunde liegen, indem er Zwang und Intuition, Ordnung und Improvisation, Struktur und Formlosigkeit miteinander verbindet. Der Ansatz des Künstlers bei der Bildgestaltung ist zugleich pragmatisch und reflektiert. Er findet einzigartigen Ausdruck und unendliche Möglichkeiten in dem Wechselspiel aus Spannung und Auflösung, das sich durch seine frei strukturierten Improvisationen zieht.

Albert Oehlen (geb. 1954 in Krefeld) lebt und arbeitet in der Schweiz. Seit 1981 stellt er regelmäßig in der Galerie Max Hetzler aus. Oehlens Werk war Gegenstand zahlreicher Ausstellungen in internationalen Institutionen, darunter zuletzt in der Hamburger Kunsthalle (2024–2025); Espace Louis Vuitton, Peking (2024); Friedrichs Foundation, Weidingen (2023); Sprengel Museum Hannover (mit Carroll Dunham, 2020); Serpentine Gallery, London (2019–2020); Aïshti Foundation, Beirut (2018–2019); Palazzo Grassi, Venedig (2018–2019); Museo Nacional de Bellas Artes, Havana (2017); The Cleveland Museum of Art; Guggenheim, Bilbao (both 2016); New Museum, New York (2015); Kunsthalle Zürich (2015); Museum Wiesbaden (2014); mumok, Wien (2013); und Kunstmuseum Bonn (2012). Oehlens Werke befinden sich unter anderem in den Sammlungen von The Broad, Los Angeles; Centre Pompidou, Paris; The Cleveland Museum of Art; Fondation Louis Vuitton, Paris; Institut Valencià d’Art Modern, Valencia; Los Angeles County Museum of Art; Mudam, Luxembourg; Musée d’Art Moderne et Contemporain de Strasbourg; Musée d’Art Moderne de Paris; Museum Brandhorst, München; Museum of Contemporary Art, Chicago; Museum of Contemporary Art, Los Angeles; Museum Ludwig, Köln; The Museum of Modern Art, New York; Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main; Staatliche Kunstsammlungen Dresden; und Tate, London.

¹ P. Sterckx, ‘Albert Oehlen: Junk Screens’, in Albert Oehlen, Ausst. Kat., Clermond-Ferrand: Frac Auvergne, 2005.
² J. Corbett, Painthing On The Möve, Ausst. Kat., London und Chicago: Thomas Dane Gallery und Corbett vs. Dempsey, 2011.