Pose to Rose

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Thorsten Brinkmann
4. September – 31. Oktober 2026

Courtesy Galerie Mathias Güntner

Thorsten Brinkmann arbeitet an den Übergängen von Fotografie, Malerei, Skulptur, Film und Installation. Ausgangspunkt seiner Arbeiten sind häufig Fundstücke und gebrauchte Alltagsobjekte, die er aus ihren vertrauten Zusammenhängen löst und in überraschende neue Konstellationen überführt. Dabei verbindet er z.B. Gegenstände mit dem eigenen Körper, arbeitet mit Verkleidung, Pose und Inszenierung und entwickelt ein vielschichtiges Spiel der Verwandlung.

Mit großer Präzision, viel Humor und auch tiefem Ernst hinterfragt Brinkmann die kulturellen Zuschreibungen von Objekten, Körpern und Bildern. In der neuen Ausstellung wird Eros dabei zur treibenden Kraft und führt uns in ein Wechselspiel aus Zeigen und Verbergen, Körper und Objekt. Schon der Ausstellungstitel eröffnet dieses Spiel: Pose to Rose verbindet das Posieren mit dem Erröten und den Körper mit der Farbe Rosa – und verweist unter anderem auf Marcel Duchamp. Dessen Alter Ego Rrose Sélavy liest sich phonetisch als „Eros, c’est la vie“. Bei Duchamp entsteht ein Schillern aus Identität und Maskerade, das Brinkmann in eine ganz eigene, zeitgenössische Bildsprache und in Sprachwitz übersetzt. Wie Duchamps objet trouvés verschieben auch in seinem Werk die Fundstücke die Trennschärfe zwischen Gebrauchswelt und Kunst, tragen dabei aber ihre eigenen Biografien sichtbar mit sich und gehen mit dem Körper völlig neue Beziehungen ein. Das Erotische ist hier kein Motiv, sondern Neugierde und die Lust an der Verwandlung.

In der fortlaufenden Serie Portraits of a Serialsammler (seit 2006) kombiniert Brinkmann seinen eigenen Körper mit gesammelten Fundstücken wie Mülleimern und Vasen, die aus dem Kontext ihrer Funktionalität herausgelöst zu Kostüm, Maske und Skulptur werden. Im Stil alter Meister scheinen darin Figuren anderer Epochen auf; Kostbares und Profanes, Pathos und Komik kommen zusammen. Der betrachtende Blick möchte erkennen, was er sieht und wird immer wieder auf etwas anderes verwiesen. Trotz Selbstinszenierungen ist der Künstler nie zu sehen. Eine neue Serie von Polaroids (2026) macht diese Dynamik unmittelbar erfahrbar: Die Aufnahmen befinden sich hinter kleinen Vorhängen; wer sie betrachten will, muss selbst den Stoff anheben. Eros zeigt sich hier gerade im Moment des Entzugs: Das Sehen wird zu einer kurzen Choreografie aus Zurückhaltung und Annäherung, und das Enthüllen zum Teil des Bildes.