




es ward ein Kasten
AktuellNowCourtesy Galerie Mark Müller
Es ward ein Kasten. Der Ausstellungstitel klingt wie der Anfang einer Ursprungserzählung. Plötzlich ist da ein Innen, ein Aussen, ein kleines Stück Welt. Vielleicht liegt in diesem Moment bereits jene eigentümliche Verzauberung, die von Behältern wie Kästen, Truhen oder Schubladen ausgehen: Sie verbergen, bewahren und verwandeln zugleich. Der französische Philosoph Gaston Bachelard hat in seiner Poetik des Raumes (1957) die Intimität solcher kleinen Räume beschrieben, ihre Fähigkeit, Erinnerungen und Vorstellungen zu bergen und in ihrer Begrenztheit eine eigene Weite entstehen zu lassen. Die Truhe ist bei ihm nicht einfach ein Behälter, sondern ein Ort, an dem sich Welt sammelt.
Auch in Fadri Cadonaus Arbeiten scheinen immer wieder solche eigentümlichen Orte zu entstehen. Seine künstlerische Praxis verbindet Recherche und Material, historische Zusammenhänge und geologische Zeiträume. Material wird dabei zu einer Form von Gedächtnis. Ein Stück Holz, Salz oder Kohle trägt nicht nur seine physische Beschaffenheit mit sich, sondern verweist auf die Zeit, die es hervorgebracht hat, auf Wege, die es zurückgelegt hat, und auf menschliche Ordnungen, die sich daran knüpfen. Der verschachtelte «Wardian Case» (Es ward ein Kasten, 2026), ein für den Transport von Farnen entwickelter Kasten, schuf auf langen Schiffsreisen ein künstliches Klima im Kleinen und erlaubte es, Pflanzen über lange Strecken zu transportieren. Damit verkleinert er nicht bloss die Natur, sondern bildet die ganze Welt nach. Zugleich führt der Farn weit über diesen konkreten Kasten hinaus: Er erinnert an jene prähistorischen Wälder, deren Pflanzenmaterial sich über Millionen von Jahren zu Kohle verdichtet hat. In Cadonaus Einbaumtruhe (Dem Köhler glauben) treffen die lebendige Pflanze, ihre geologische Vergangenheit und ihre gegenwärtige Freisetzung schlussendlich aufeinander.