







Constructed Realities
AktuellNowBild 1, 3–8: Courtesy Galerie Klüser
Bild 2: ©Isca Greenfield-Sanders
In einer Zeit, in der Bilder durch digitale Technologien permanent erzeugt, bearbeitet, verfälscht und verbreitet werden können, erscheint der Begriff von Wirklichkeit zunehmend instabil.
Welche Reflexion über einen zeitgenössischen Realitätsbegriff kann künstlerisch stattfinden? Wie werden Realität und Wirklichkeit über Bilder wahrgenommen, vermittelt und konstruiert?
Die Ausstellung CONSTRUCTED REALITIES verhandelt diese zentrale Frage und präsentiert mit Nix/Gerber und Isca Greenfield-Sanders zwei Positionen, die sich auf unterschiedliche Weise mit der Herstellung von Bildwirklichkeit auseinandersetzen. Die Gegenüberstellung mit den Arbeiten des Künstlerinnen-Duos Nix/Gerber eröffnet dabei neue Perspektiven auf die Frage, wie Wirklichkeit im Bild erzeugt, erinnert und wahrgenommen wird.
Die gezeigten Werke bewegen sich beide im Spannungsfeld von Fotografie, Konstruktion und Wahrnehmung, verfolgen dabei jedoch unterschiedliche künstlerische Positionen:
Lori Nix und Kathleen Gerber arbeiten primär mit dem Medium der Fotografie, auch wenn ihr Werk wesentlich über die reine fotografische Aufnahme hinausgeht. Sie konstruieren aufwendig gebaute Miniaturwelten in ihrem Studio – detailreiche, oft dystopische Szenen, die erst durch die Kamera als „real“ erscheinen. Der fotografische Akt ist bei ihnen der finale Schritt eines in der Vorgestaltung komplexen handwerklichen Prozesses. Ihr zentrales Anliegen ist die Inszenierung einer künstlich geschaffenen Realität, die die Glaubwürdigkeit des fotografischen Bildes selbst hinterfragt.
Isca Greenfield-Sanders hingegen geht von gefundenen Vernakulärfotografien aus, die sie in malerische und druckgrafische Arbeiten überführt. Ihre Praxis bewegt sich zwischen Fotografie, digitaler Bearbeitung, Druckgrafik und Malerei. Im Zentrum steht dabei die Transformation von Erinnerung, und Wahrnehmung durch den digitalen und malerischen Prozess.
Die Konstruktion von Wirklichkeit ist bereits seit Anbeginn der Fotografie ein zentrales Thema des Mediums. Die unterschiedlichen künstlerischen Auseinandersetzungen von Isca Greenfield-Sanders und Nix/Gerber mit Fragen der Bildmanipulation, Konstruktion und Wirklichkeit und dem Realitätsanspruch des Bildes, setzen an den Anfängen des digitalisierten Bildes und dem Beginn der Bilderflut in den frühen 2000er Jahren ein – einer Zeit, welche die Allgegenwärtigkeit von KI noch nicht vorhersah. Nix/Gerber und Greenfield-Sanders stellen einer immer schneller werdenden Bildproduktion aufwändige handwerkliche Arbeitsprozesse entgegen und hinterfragen damit die Entstehung und Verfügbarkeit des Bildes grundlegend.