NOT JUST YET

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Vid Svetina
15. August – 18. September 2026

Es gibt Augenblicke, die wir kaum wahrnehmen, bis sie zu verschwinden beginnen. Der letzte warme Abend vor dem Herbst. Ein Luftballon, der noch seine Form behält. Ein Hügel, an dem wir Hunderte Male vorbeigehen, ohne je zu verstehen, warum gerade er zu dem Ort geworden ist, der uns am meisten bedeutet.

Vid Svetinas künstlerische Praxis beschäftigt sich nicht mit der Erinnerung selbst, sondern mit jenem beinahe unmerklichen Moment, in dem die Gegenwart beginnt, sich in Erinnerung zu verwandeln. Fotografie, Malerei und Skulptur werden dabei zu unterschiedlichen Möglichkeiten, Zeit zu erfahren.

Während die Fotografie einen Ausschnitt der Wirklichkeit festhält, bewahrt die Malerei ein Gefühl. Das Objekt wiederum verleiht diesem Gefühl eine physische Präsenz im Raum. Gemeinsam bilden die Arbeiten weder eine lineare Erzählung noch bieten sie festgelegte Symbole. Stattdessen lassen sie Raum für persönliche Assoziationen und laden die Betrachtenden dazu ein, in den Bildern etwas Eigenes wiederzuerkennen.

Gras, Hügel, Blumen und Luftballons kehren in Svetinas Arbeiten immer wieder. Sie sind keine Metaphern im herkömmlichen Sinne, sondern Motive, zu denen der Künstler intuitiv zurückkehrt. Ihre Bedeutung entsteht nicht aus einer vorgegebenen Symbolik, sondern aus einer emotionalen Verbundenheit, die sich nicht vollständig in Worte fassen lässt. Aus Einsamkeit kann eine Blume wachsen, aus Angst ein Spielplatz entstehen, und ein gewöhnlicher Grashügel kann zu einem persönlichen Ort des Staunens, der Ruhe und der Erleichterung werden.

Svetinas Bildsprache richtet ihre Aufmerksamkeit bewusst auf das scheinbar Unattraktive, Unvollkommene und Beiläufige. Seine Arbeiten widersetzen sich hierarchischen Vorstellungen davon, welche Themen, Materialien oder Gesten der Kunst würdig sind. Alltägliche Gegenstände, scheinbar kindliche Formen und bewusst unmittelbare Gesten begegnen einander mit spielerischer Leichtigkeit. Die Bedeutung wird nicht vom Künstler vorgegeben, sondern entsteht durch die persönliche Begegnung der Betrachtenden mit dem Werk.

Unter der farbenfrohen und oft humorvollen Oberfläche bleibt zugleich ein Bewusstsein für Verletzlichkeit, Einsamkeit und Vergänglichkeit spürbar. Verspieltheit und Melancholie erscheinen nicht als Gegensätze. Sie bestehen nebeneinander und gehen ineinander über – so wie ein gegenwärtiger Augenblick beinahe unbemerkt zur Erinnerung werden kann.

Anstatt den unmöglichen Versuch zu unternehmen, die Zeit anzuhalten, lädt Not Just Yet uns dazu ein, für einen Moment langsamer zu werden und ihre Zerbrechlichkeit wahrzunehmen. Gerade durch ihre Flüchtigkeit erhalten gewöhnliche Dinge einen außergewöhnlichen Wert.

Am Ende des Sommers wird dieses Gefühl besonders greifbar. Die letzten warmen Tage, die begrenzte Dauer der Ausstellung und die kurze Anwesenheit des Künstlers in Berlin werden Teil einer gemeinsamen Erfahrung. Die Arbeiten versuchen nicht, einen Augenblick für immer zu bewahren. Sie laden uns lediglich dazu ein, noch ein wenig länger in ihm zu verweilen.

Ausstellungskonzept: Tatiana Tomm