







This Side of the Mountain, the Other Side of the Water
AktuellNowCourtesy Galerie Fabian Lang
Die Galerie Fabian Lang ist stolz darauf, ihre zweite Einzelausstellung mit Werken von Xiao Guo Hui zu präsentieren – eine zweijährige Auseinandersetzung mit den ontologischen Möglichkeiten der zeitgenössischen Malerei. Aufbauend auf seiner Untersuchung, was Malerei in einem von digitalen Medien geprägten Zeitalter leisten kann, nutzt diese neue Werkgruppe menschliche Konflikte, das Theater um Überzeugungen und die stillen Mechanismen des Alltags als Ausgangspunkt, um die zeitgenössische „Menschliche Komödie“ zu betrachten.
Xiaos Schaffen schöpft tiefe visuelle und spirituelle Inspiration aus den Meistern der Frührenaissance wie Giotto und Piero della Francesca. In Anlehnung an die Aussage des französischen Philosophen Maurice Merleau-Ponty, dass die Malerei „das Unsichtbare im Sichtbaren offenbart“, lehnt Xiao die mechanische Präzision der Zentralperspektive zugunsten einer verkörperten, manuellen und bewusst unpräzisen Praxis ab – den „drei Hs“ (Kopf (Head auf Englisch), Herz, Hand), die in der Tradition des „Disegno“ verwurzelt sind. Schattierungen werden durch Schichtung um Schichtung der Farbe erreicht, bis das Licht von der Leinwand einem entgegenstrahlt. Konturen sind fluid, Repräsentation erfinderisch impressionistisch. Objekte scheinen von einer Sache in eine andere überzugehen. Überall passiert etwas.
Als Kontrast zum ablenkenden Fluss der digitalen Medien nutzt der Künstler die statische Leinwand, um das existentielle Drama unserer Zeit in einem einzigen, kontemplativen Bild zu verdichten - dabei bewahrt er sich immer eine ruhige, vielleicht ironische Distanz zur sichtbaren Welt. Schnell kommt man vom grossen zur Deutung einzelner Begebenheiten. Man kommt aus dem Verknüpfen, aus dem Staunen, Entdecken und Deuten garnicht mehr heraus.
Aus dieser reflektierenden Haltung heraus untersucht Xiao, wie die moderne Gesellschaft Gewissheiten, starre moralische Positionen und ideologische Spaltungen konstruiert, welche als neue säkulare Orthodoxien fungieren. Indem er diese gesellschaftlichen Spannungen aus der Distanz mit einer Mischung aus Ernsthaftigkeit und zurückhaltender Verspieltheit betrachtet, enthalten seine Gemälde weder Werturteile noch moralische Schlussfolgerungen. Stattdessen laden sie die Betrachter dazu ein, über die tiefe Verflechtung von Freiheit, Glauben und Konflikt im heutigen Leben nachzudenken.