Gedanken-Brüche

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Ruby Jurkeit, Katharina Schellenberger
30. September – 2. Dezember 2026

Bild 1, 4: Courtesy Galerie Bezirk Oberbayern
Bild 2: Foto: Jeremias Hasso
Bild 3: VG Bild-Kunst Bonn 2026, Foto: Katharina Schellenberger

Die Ausstellung "Gedanken–Brüche" widmet sich der Unsicherheit und Zerbrechlichkeit menschlichen Daseins. Sie beschreibt den Zustand eines Ichs, das immer wieder auseinanderfällt und sich ständig neu zusammensetzt. Demenz lässt Erinnerungen zerfallen, Zusammenhänge gehen verloren. Brüche können jedoch auch Basis für notwendige Entwicklungen in verschiedenen Lebensphasen sein.

Ruby Jurkeit absolviert gerade ihre Meisterausbildung zur Keramikerin und Keramikdesignerin. In ihren Arbeiten verbindet sie Keramik mit Konzeptkunst, Video und Projektionen. Sie beschäftigt sich mit Fragen, die viele junge Menschen kennen: Erwachsenwerden, Freundschaft, Körperbilder, Feminismus. Für eines ihrer Werke spielt sie mit absurd-ernsten Fragen wie: „Wieso kann man nicht schneller warten?“, „Was hält mein Hund von meinem Privatleben?“ oder „Sollte ich einen Führerschein fürs Erwachsenwerden machen?“ Es sind drei von 99 Fragen, die Jurkeit für ihre Arbeit „Muscle Memory“ (Körpererinnerung) gesammelt hat. Sie stehen auf der Innenseite von Keramikbechern und bedürfen keiner Antwort.

Einen ganz anderen Blick auf Erinnerung werfen zwei Arbeiten, die gemeinsam mit ihrer Großmutter entstanden sind. Diese ist selbst Künstlerin an Demenz erkrankt. Für „Das tragbare Gedächtnis“ übertrug Jurkeit Ausschnitte von Texten und Zeichnungen ihrer Großmutter im Cyanotypie-Verfahren auf Keramikscheiben. So entstand eine Kopf- und Schulterbedeckung mit der Idee: Wer diese trägt, hat die Erinnerungen wieder bei sich. Für „Erinnerungs[ ]ücke“ bemalten und beschrieben Enkelin und Großmutter gemeinsam eine Porzellanplatte. Anschließend wurde sie zerbrochen, gebrannt und aus den einzelnen Scherben eine Haube zusammengesetzt.

Die mehrfach ausgezeichnete Malerin Katharina Schellenberger studierte Malerei an der Accademia di Belle Arti in Rom und arbeitet seit 2007 als freischaffende Künstlerin. Sie arbeitet hauptsächlich in Serien. Ihr umfangreiches Werk stellt eine stete Auseinandersetzung mit dem Innenleben des Menschen und dessen Zerbrechlichkeit dar. Ihre teils großformatigen Gemälde entstehen auf dem Boden: Öl- und Acrylfarben lässt sie zunächst frei über die Leinwand fließen und greift anschließend mit den Händen oder dem Pinsel ein.

In Form und Farbe erinnern die Gemälde an geträumte Momentaufnahmen, an Märchen mit grotesken Mischwesen, die faszinierend und unheimlich zugleich wirken. Für „Gedanken-Brüche“ erweitert sie ihre Malerei um konzeptionelle Arbeiten mit Fundstücken. Eine alte Blechbadewanne voller weichgespülter Scherben erinnern an die Zerbrechlichkeit von Erinnerungen.