

Clemens Krauss: Sediments
BaldSoonAn die Stelle der humanen Figur treten in Krauss‘ Bildern nun Gebäude, Flächen und Gegenstände als Träger von Zeitlichkeit, Geschichte und Erinnerung. So verschiebt sich der Fokus von zwischenmenschlichen Beziehungen auf die Körperlichkeit der Dinge, zugleich wird eine Distanz zum anthropozentrischen Blick formuliert.
Der charakteristische dicke, pastose Farbauftrag seiner Malerei bleibt dabei zentral. Schicht für Schicht lagert Krauss Ölfarbe auf der Leinwand ab und erzeugt reliefartige Oberflächen, die an geologische Sedimente erinnern. Wie natürliche Ablagerungen speichern sie Zeit, Bewegung und Material. Der Malprozess gleicht einem psychoanalytischen Freilegen verborgener Ebenen, in dem Bedeutung erst allmählich aus den übereinanderliegenden Schichten hervortritt.
Licht und Schatten aktivieren die plastischen Bildkörper und eröffnen wechselnde Wahrnehmungsebenen zwischen Oberfläche und Raum. Leuchtende Farbreste unter der Malschicht wirken wie Spuren früherer Zustände und machen den zeitlichen Charakter des Bildes sichtbar.
Ausgangspunkt der Arbeiten sind Beobachtungen urbaner Räume. Architektur erscheint als sedimentierter Speicher kultureller und materieller Prozesse; Kalk, Lehm oder Ziegel werden zu Referenzen für eine Materialität, die gleichermaßen gebaut wie organisch gewachsen wirkt. So führt ›Sediments‹ Krauss' Interesse an verborgenen Strukturen konsequent weiter und verlagert den Blick von der menschlichen Figur auf die Körperhaftigkeit der Dinge.