The Virtues of Hesitation

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Christiana Soulou
4. September – 6. November 2026

Bild 1–6: Copyright the artist; Caprii by Sies + Höke, Düsseldorf; Photo Tino Kukulies
Bild 7–8: Courtesy Caprii by Sies + Höke

Das Werk Christiana Soulous beruht auf der Entpersonalisierung der Künstlerin sowie auf dem Verschwinden der klassischen und konventionellen Darstellung von Subjekt und Form.

Sie versteht den künstlerischen Akt als eine „Frage des Denkens“, wobei sich ihr Werk durch eine Klarheit auszeichnet, die daraus entsteht, dass sie sich von jedem Verfahren löst, das seine einzelnen Elemente einem vorgegebenen formalen Rahmen unterwirft.

Ihr künstlerischer Ansatz verzichtet somit auf jede Angleichung oder Verschmelzung von Bestandteilen zu einem Ganzen, die das Werk auf ein rationales Konzept oder ein idealisiertes, von äußeren Gesetzmäßigkeiten und vorgefassten Vorstellungen bestimmtes Modell reduziert.

Stattdessen folgt ihre Arbeit einer induktiven Methode, bei der sich die formale Struktur des Kunstwerks entsprechend der Entwicklung seiner einzelnen Bestandteile herausbildet.

In ihrem Ansatz bildet jeder Bestandteil des Werks keinen Abschluss, sondern erzeugt eine Antwort und schafft so einen unendlichen Raum innerhalb seiner eigenen Substanz.

Das Kunstwerk nimmt eine Form an, die ihre eigene Form infrage stellt, sie dadurch bestimmt und einen Raum schafft, der sich fortwährend erweitert.

Für die Künstlerin ist dies der eigentliche künstlerische Raum.

Für Soulou ist die conditio humana eine Singularität, die sich – anders als das soziale Selbst – weder mitteilen noch austauschen lässt und daher unsagbar bleibt.

In diesem Sinne sind ihre Arbeiten über den Menschen anthropologischer, nicht aber anthropozentrischer Natur, da sie den Menschen aus seiner zentralen, kommunikativen und sozialen Position lösen, um ihn in seinen unvorhersehbaren, komplexen und unbestimmbaren Dimensionen zu erfassen.

Das Anliegen der Künstlerin, die Seele der Dinge zu erfassen, verweist auf deren geistige Tiefe und manifestiert sich in der Architektur ihres Werks und dessen innerer Logik.

Dieses Erfassen – eher als ein Ergreifen – ist eine intensive innere Erfahrung, die jeder Demonstration und bloß vordergründigen Darstellung fernliegt.