
LLL
AktuellNowPhoto: Felix Stöckle, work in progress
Der Ausstellungstitel LLL verweist auf Lucius Licinius Lucullus, den römischen Feldherrn, dessen Name bis heute mit lukullischem Genuss und Tafelfreuden verbunden ist. Zugleich bleibt das Kürzel bewusst offen: „Assoziationen wie Liebe, Lust, Licht, aber auch Love, Laugh, Loser oder andere Kombinationen sind ausdrücklich erwünscht.“ (Felix Stöckle)
Diese Offenheit prägt auch Felix Stöckles Umgang mit Formen, Materialien und kulturell aufgeladenen Bildern. Vertraute Motive werden aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gelöst, reduziert und in andere Materialien überführt. Dabei verändert sich nicht nur ihre Erscheinung, sondern auch das, was wir in ihnen erkennen.
Dabei berührt Stöckles Arbeitsweise auch einen zeitgenössischen Umgang mit kultureller Überlieferung. Vertraute Zeichen zirkulieren heute als Bilder, Fragmente und Referenzen, die kopiert, kombiniert und aus ihren ursprünglichen Zusammenhängen gelöst werden. Stöckle greift diese Beweglichkeit auf, führt sie jedoch zurück in die Materialität des Handwerks. Historische und kulturell aufgeladene Formen werden nicht ihrer Bedeutung entleert, sondern aus ihrer Eindeutigkeit gelöst und durch neue Materialien und Kontexte für andere Lesarten geöffnet.
Besonders deutlich wird dies an der Hellebarde. Als historische Waffe trägt sie die Geschichte und Symbolik der Schweiz in sich; als zeremonielles Objekt der Päpstlichen Schweizergarde steht sie zugleich für Repräsentation. Bereits Ferdinand Hodler verdichtete die Hellebarde in seinen Schweizer Figuren zu einer prägnanten Silhouette und machte aus dem historischen Gegenstand ein nationales Bildzeichen. Stöckle führt diese Bewegung weiter, indem er die Hellebarde in Keramik oder Neon überträgt. Aus der Waffe wird ein fragiles Objekt, aus dem Gebrauchsgegenstand ein Zeichen.
Gerade in dieser Verschiebung liegt ein wesentliches Moment von Stöckles Arbeit. Die Wiedererkennbarkeit seiner Motive ist Ausgangspunkt, nicht Ergebnis. Was zunächst eindeutig erscheint, öffnet sich bei näherer Betrachtung für andere Zusammenhänge. Die Hellebarde verweist nicht mehr allein auf ihre Funktion, sondern auf die Vorstellungen, Erinnerungen und kulturellen Bilder, die sich an ihre Form geheftet haben.
Stöckles Arbeiten bewegen sich so zwischen Gegenstand und Zeichen, Material und Vorstellung, Geschichte und Gegenwart. Vertraute Formen werden nicht unkenntlich gemacht, sondern so weit verschoben, dass ihre kulturelle Aufladung und ihre Mehrdeutigkeit sichtbar werden.