
renaissance.zip
Courtesy @vivmoe
Mit renaissance.zip präsentiert Art Claims Impulse eine Einzelausstellung von Vivmoe.
Vivmoe untersucht, wie Kunst heute betrachtet, gespeichert, geteilt und erinnert wird. Ausgangspunkt ihrer neuen Gemälde sind Smartphone-Ansichten von Kunstwerken: Bilder, die auf wenige Zentimeter auf einem Bildschirm reduziert, verschickt, archiviert und immer wieder aufgerufen werden. Die Leinwände ihrer malerischen Übersetzungen entsprechen jedoch den Originalmaßen der dargestellten Werke. Was digital komprimiert wurde, gewinnt im Ausstellungsraum seine räumliche Präsenz zurück.
Diese Rückkehr ist keine neutrale Rekonstruktion. Vivmoe malt nicht nur das ursprüngliche Werk, sondern auch die spezifische Erfahrung seiner digitalen Vermittlung: Bildausschnitt, Bildschirmoberfläche, Licht, Spiegelung und die Logik eines Bildes, das zugleich Kunstwerk, Datei, Erinnerung und Nachricht sein kann. Die Gemälde halten einen Blick fest, der gewöhnlich dem Wischen, Speichern oder Weiterleiten weichen würde.
Der Titel renaissance.zip verbindet zwei gegensätzliche Bildordnungen. „Renaissance“ verweist auf Perspektive, Materialität und die Geschichte der Malerei; „.zip“ auf Komprimierung, Archivierung und die Übertragbarkeit von Daten. Zwischen diesen Polen entstehen Bilder, die die Reduktion von Kunst auf ein Gerät nicht bloß beklagen, sondern in Malerei übersetzen.
Nasse Ölfarbe und illusionistisch gemaltes Klebeband machen diese Spannung körperlich erfahrbar. Das Klebeband erscheint als Schutz, als Mittel zur Befestigung oder als Verpackung – eine Spur eines Werkes, das gelagert, transportiert oder in Umlauf gebracht wird. Doch das Klebeband selbst ist gemalt und damit Teil der bildlichen Illusion. renaissance.zip fragt, was mit Kunst geschieht, wenn sie gleichzeitig Objekt und Bild, räumliche Erfahrung und digitale Datei, materielle Präsenz und teilbare Information ist.