


Gebaute und gelebte Kontinuität
BaldSoonDie Ausstellung Gebaute und gelebte Kontinuität entstand in Kooperation mit der CAM Gallery, Mexiko-Stadt, und ist das Ergebnis eines dreimonatigen Residenzaufenthalts der mexikanischen Künstlerin Alejandra España bei 68projects by KORNFELD zwischen April und Juni in Berlin. Die von Tereza de Arruda kuratierte Präsentation versammelt neue Arbeiten, die während dieser intensiven Arbeitsphase entwickelt wurden und erstmals Españas langjährige künstlerische Recherche mit der Erfahrungswelt Berlins verbinden. Die Residency bildet dabei nicht nur den zeitlichen Rahmen der Ausstellung, sondern ihren eigentlichen Ausgangspunkt: Die neuen Arbeiten sind unmittelbar von der Zeit der Künstlerin in Berlin geprägt. Die Stadt wird zur zentralen Inspirationsquelle, deren Atmosphäre und Eindrücke sich in jedem Werk widerspiegeln.
Während ihres Aufenthalts setzte sich España intensiv mit der besonderen historischen und räumlichen Struktur der Stadt auseinander. Als Künstlerin aus Mexiko nähert sie sich Berlin mit einem unverstellten Blick. Die historischen Brüche, die sichtbaren Schichten der Stadt und die Gleichzeitigkeit von Erinnerung und Transformation werden für sie zu Ausgangspunkten einer künstlerischen Untersuchung von Ort und Identität. Die sichtbaren Brüche zwischen Ost und West, urbane Leerstellen, Spuren politischer Transformation sowie die Gleichzeitigkeit von Rekonstruktion und permanentem Wandel wurden zu zentralen Beobachtungen ihrer Arbeit. Besonders die Erfahrung, wie Berlin Geschichte nicht verbirgt, sondern als offene Schichtung im Stadtraum sichtbar macht, prägte die neuen Werke nachhaltig.
In dieser Auseinandersetzung erweitert die Künstlerin ihre bisherige Bildsprache spürbar. Selbstgefärbte Papiere, durchlässige Farbräume und offene Kompositionen erzeugen Bildwelten, die zwischen Landschaft und Abstraktion, Erinnerung und Gegenwart oszillieren. Was zunächst organisch erscheint, erinnert im nächsten Moment an Kartografien, geologische Formationen oder urbane Strukturen. Vergangenheit und Gegenwart, Natur und gebauter Raum treten dabei in einen Zustand produktiver Unschärfe.
Ausgangspunkt von Españas Praxis ist die Vorstellung, dass Erinnerung und Erlebnisse kein statisches Archiv, sondern ein lebendiger, sich ständig verändernder Prozess sind. Die Ausstellung umfasst neue Arbeiten auf Papier, Collagen und Installationen, mit denen sie kulturelle Vorstellungen von Ursprung, Landschaft und Zugehörigkeit untersucht. Ihre Arbeiten entstehen aus Schichtungen von Papier, Pigment und Farbe, aus Überlagerungen von Fragmenten, Spuren und transparenten Flächen. Dabei interessiert sie weniger das Abbild der Welt als die Frage, wie Wirklichkeit überhaupt wahrgenommen, gespeichert und erinnert wird.
Die Ausstellung macht sichtbar, wie sich Orte nicht nur geografisch, sondern emotional und historisch in unser Bewusstsein einschreiben – und wie künstlerische Prozesse solche Erfahrungen in neue visuelle Räume übersetzen können.
Für die Kuratorin Tereza de Arruda liegt hierin der Kern von Españas Arbeit: „Für die Künstlerin existiert alles als Kontinuität. Formen entwickeln sich aus vorherigen Formen, Erfahrungen lagern sich in neuen Erfahrungen ab, und das Leben selbst wird durch überlagernde Schichten aufgebaut.“
So versteht Gebaute und gelebte Kontinuität Stadt nicht als abgeschlossene Form, sondern als fortlaufenden Prozess. Die Ausstellung macht sichtbar, wie Orte entstehen: durch Erinnerung, durch Material und durch die Spuren derjenigen, die sie bewohnen. In Alejandra Españas Arbeiten wird Berlin nicht lediglich als Objekt dargestellt – es wird zum Subjekt aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Alejandra España (*1982, Mexiko-Stadt) ist eine mexikanische bildende Künstlerin. Sie studierte Bildhauerei und Porträt an der Llotja, Schule für Kunst und Handwerk in Barcelona, und absolvierte ein Studium der Bildenden Künste an der Nationalen Schule für Malerei, Bildhauerei und Grafik La Esmeralda (ENPEG) in Mexiko. Sie war Stipendiatin des FONCA für Keramik-Residenzen im Banff Centre (Kanada) und in Vallauris (Frankreich). Für ihre Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Akquisitionspreis der XIX. Tamayo Biennale (2020) und dem Palm Foundation Award (2024). Wichtige Künstlerresidenzen in der Casa Wabi (Mexiko) und im Banff Centre (Kanada) ergänzen ihre Laufbahn. Zuletzt waren ihre Werke in Einzelausstellungen im Franz Mayer Museum und in der CAM Gallery in Mexiko-Stadt zu sehen. Ihre Arbeiten sind Teil bedeutender Sammlungen, darunter das Rufino Tamayo Museum, das Getty Conservation Institute und die Berkowitz Contemporary Foundation.
68projects by KORNFELD bietet als internationaler Projekt- und Residenzraum der KORNFELD Galerie in Berlin-Charlottenburg eine dynamische Plattform für Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt. Mit einem Fokus auf den globalen Dialog fördert 68projects den kulturellen Austausch und dient als Labor für neue künstlerische Positionen und kuratorische Experimente. Dadurch entsteht ein einzigartiger Ort der Begegnung und des Austauschs zwischen internationalen Kunstschaffenden, Kuratoren, Sammlern und dem kunstinteressierten Berliner Publikum.